FW Kreis

Freie Wähler wollen 1-Euro-Ticket

Umdenken für besseren ÖPNV

RÖTTENBACH – Noch sind Fahrverbote wie in Stuttgart im Landkreis Erlangen-Höchstadt kein Thema. Trotzdem kann es nicht weitergehen wie bisher, finden zumindest die Freien Wähler. Nun haben sie deshalb ein zentrales Thema für die Kommunalwahl definiert: die Forderung nach einem 1-Euro-Ticket. Landratskandidatin Regina Enz will sich im Falle eines Wahlerfolgs umgehend dafür einsetzen und wird dabei von den Spitzen der FW-Kreistagsfraktion unterstützt.

„Die Abschaffung der Studiengebühren, das achtstufige Gymnasium oder das Ende der Straßenausbaubeiträge – es gibt vieles, was die CSU undenkbar hielt und das die Freien Wähler durchgesetzt haben“, sagt Regina Enz. Mit großem Selbstbewusstsein treten die Landratskandidatin und ihre Fraktion deshalb jetzt für ein neues Tarifsystem im ÖPNV ein. „Der ÖPNV ist, insbesondere wegen der permanenten Bemühungen unserer Fraktion, inzwischen flächendeckend und landkreisübergreifend gut ausgebaut“, unterstreicht Gerald Brehm. „Das hervorragende Angebot ergibt ökonomisch wie ökologisch aber nur Sinn, wenn es auch angenommen wird“, betont der Fraktionsvorsitzende. „Man sieht aber immer noch zu häufig leere Busse fahren“, berichtet Ludwig Wahl. Im Auftrag des FW-Kreisverbandes hat er deshalb im Frühjahr eine Umfrage durchgeführt. „Es war uns wichtig zu erfahren, ob der Preis ein Hindernis ist“. Denn, da sind sich alle Freien Wähler einig, nur volle Busse sind ein positiver Beitrag zu Energie- und Verkehrswende.

Das Ergebnis war eindeutig. Anders als auf den großstädtischen Kurzstrecken in Erlangen schreckt im ländlichen Raum der Fahrpreis viele Nutzer. „Wenn Jugendliche von Höchstadt ins Kino fahren, zahlen sie für den Bus beinahe mehr als für den Film“, kritisiert Enz. Allerdings verhinderte die CSU im Kreistag bisher Veränderungen an der Preisstruktur. „Viele vertreten dort die Auffassung, das sei zu teuer für den Kreis“, beklagt Brehm. „Dabei muss man das global betrachten. Und ich denke jedes einzelne Auto, das in der Garage bleibt, entlastet Straßen, Anwohner und Umwelt“. Deshalb hatten die Freien Wähler bereits im Landtagswahlkampf einen Vorstoß in Richtung Jahres-Ticket unternommen. „Das hat aber niemanden interessiert, solange bis Markus Söder diese Idee aufgegriffen hat“, betont Ludwig Wahl.

Inzwischen ist man bei den Freien Wählern aber froh über die Entwicklung. „Immerhin hat die CSU über den Ministerpräsidenten eingestanden, dass Handlungsbedarf besteht“, sagt Regina Enz. „Gleichzeitig bietet es die Möglichkeit, das Konzept noch einmal auf den Prüfstand zu stellen“. Denn eigentlich, so die Landratskandidatin, springt ein Jahresticket zu kurz. „Das ist nur für Vielfahrer interessant. Wir wollen aber einen ÖPNV für jeden“, sagt Enz. „Deshalb haben wir nun das Konzept des 1-Euro-Tickets entwickelt“. Dahinter steckt der Ansatz, dass der Mehrwert von Bus oder Bahn nicht im Fahren liegt – sondern im Erreichen eines Reiseziels ohne auf das Auto zurückgreifen zu müssen. „Deshalb soll jeder Nutzer künftig für einen Euro einen Tag fahren können“, betont Enz. Dafür will sie sich nach einer möglichen Wahl zur Landrätin einsetzen. „Gleichzeitig werden wir über unsere Regierungsbeteiligung in München alle Hebel in Bewegung setzen, um für eine Gegenfinanzierung aus Landesmitteln zu sorgen“, ergänzt Brehm. Denn Mobilität ist aus seiner Sicht, wie Umweltschutz und Straßenbau, eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

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